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veröffentlicht am Montag, 01.08.2016


Rede zum 1. August 2016 in Ebnat-Kappel.

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725 Jahre Eidgenossenschaft – Die Freiheit ist unser höchstes Gut

Ansprache von Esther Friedli, Ebnat-Kappel

Ebnat-Kappel, 1. August 2016

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT

 

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident

Liebe Ebnat-Kapplerinnen, liebe Ebnat-Kappler

Liebe Festgemeinde

Mir fällt heute die Ehre zu, einige Gedanken zum Geburtstag unserer Schweiz an Sie zu richten. Ich habe mich über die Einladung sehr gefreut, dass ich hier in meiner Wohngemeinde sprechen kann und möchte den Organisatoren – dem Alters- und Pflegeheim Wier und dem Verkehrsverein Ebnat-Kappel, aber auch der Pfadi Wildmannli - dafür herzlich danken.

Wir feiern heute den 725. Geburtstag der Schweiz – eigentlich fast einen runden Geburtstag! Dazu sind wir heute zusammengekommen: um zu feiern, Freunde zu treffen, Musik zu hören, gut zu essen, Sportlerinnen und Sportler zu ehren, aber auch kurz inne zu halten. Denn jedes Jahr am 1. August ist es die Gelegenheit, die Errungenschaften und Eigenschaften unseres Landes zu feiern, zurückzublicken, aber auch den Blick in die Zukunft zu werfen.

725 Jahre ist es her, seit auf dem Rütli drei Vertreter von Uri, Schwyz und Unterwalden zusammengekommen sind, um einen Bund zu gründen und für die Freiheit, die Unabhängigkeit und die Mitbestimmung des Volks einzustehen.

Friedrich Schiller hat dies in seiner Ausführung von Wilhelm Tell schön ausgeführt:

Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,

in keiner Not uns trennen und Gefahr,

Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,

eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.

Wir wollen trauen auf den höchsten Gott

Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

(Willhelm Tell, 2. Aufzug, am Schluss der 2. Szene, Friedrich Schiller)

 

In diesem Zitat werden die Stärken, für die unser Land und damit auch sein Erfolg und Wohlstand steht, ausgeführt: Freiheit, Unabhängigkeit und Mitbestimmung des Volkes. Für einige von ihnen mag dies nun altbacken und ein Mythos sein, aber ich bin überzeugt, dass genau diese drei Stärken oder Eigenschaften massgeblich zur Schweiz und ihrem Wohlstand beigetragen haben, in der wir heute haben und dass uns dies von den Ländern um uns herum unterscheidet. Und die drei Erfolgsfaktoren waren nicht die letzten 725 Jahren wichtig, aus meiner Sicht sind sie aktueller denn je. Vor allem das Thema Freiheit beschäftigt mich immer wieder.

Freiheit

In den letzten Wochen und Tagen verging kaum ein Tag, wo wir nicht mit schlimmen Nachrichten über Terror, Amok oder Gewalt konfrontiert wurden. All diesen Gewalttaten ist aus meiner Sicht gleich, dass sie uns die Freiheit, in der wir leben, nehmen wollen. Die Freiheit, uns frei zu bewegen und an Feste oder Open-airs zu gehen, die Freiheit, die christliche Religion zu leben, die Freiheit, dass Frau und Mann gleich sind oder die Freiheit, nicht ständig in Angst zu leben.

Freiheit bedeutet für mich, dass ich mein Leben so gestalten will, wie ich es möchte, aber auch akzeptiere, wenn meine Nachbarn ein anderes Leben führen. Freiheit bedeutet aber auch, dass ich ohne Angst zu haben alleine auf dem Bendel sein kann, oder als junge Frau die gleichen Möglichkeiten haben, mich beruflich zu verwirklichen, wie meine Kollegen. Oder sie bedeutet, dass wir mitbestimmen können, wohin die Reise der Schweiz und Ebnat-Kappel führt und wie wir unser Land und Dorf gestalten wollen.

Diese Freiheit ist für uns eigentlich fast eine Selbstverständlichkeit geworden – die meisten von uns kennen nichts mehr Anderes. Die Älteren von Ihnen wissen jedoch wohl noch, was es bedeutet, auf viele Freiheiten verzichten zu müssen oder diese nicht zu haben. Dass für uns Jungen die Freiheit selbstverständlich ist, bedeutet aber auch, dass wir nicht mehr sehen, wenn sie gefährdet ist und was wir verlieren könnten, wenn wir sie nicht mehr haben. 

Denn die Freiheit – auf die die drei Männer auf dem Rütli geschworen haben oder die Bürger in der französischen Revolution gekämpft und Blut vergossen wurde, ist aus meiner Sicht das höchste Gut, dass wir in Europa und der Schweiz haben. Wir müssen alles daransetzen, die Freiheit zu verteidigen. Aber auch die Generation meiner Ur- und Grosseltern haben dafür gekämpft und gearbeitet, dass wir heute all die Freiheiten haben, die wir so sehr schätzen und die uns ein so schönes Leben ermöglichen.

Diese Freiheit baut auch darauf, dass wir Sicherheit, politische Stabilität, direkte Demokratie, aber auch Rechtstaatlichkeit und Föderalismus gewähren. Gerade die Sicherheit ist ein wichtiger Pfeiler für die Freiheit.

Aber wir müssen auch aufpassen, dass wir die Freiheit nicht für die Sicherheit aufgeben – denn wie einer der Gründerväter der USA, Benjamin Franklin schon sagte: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ Dies sage ich im Bewusstsein, dass die Sicherheit für uns alle auch von grosser Bedeutung ist – und in den letzten Monaten auch immer mehr wurde. Hier gilt es ein gesundes Mass zu finden und nicht bei jedem Einzelfall eine Einschränkung der Freiheit für alle zu erlassen.

Ich möchte auch noch kurz zu den beiden anderen wichtigen Pfeilern etwas sagen:

Unabhängigkeit

Eng verwandt mit der Freiheit ist die Unabhängigkeit. Die Schweiz hat sich nie an Bünden angeschlossen, die uns anderen Staaten unterworfen hätten. Hier können wir unseren Vorfahren dankbar sein und ich meine, wir sollten uns daran auch ein Vorbild nehmen. Blicken wir hier auf Europa, so sehen wir, dass wir dank der Unabhängigkeit nicht allen Entscheiden aus Brüssel ausgesetzt sind und dass überall dort, wo die Menschen abstimmen können, diese die EU entweder verlassen wollen oder gegen Beschlüsse der EU stimmen (Brexit oder Abstimmung in Holland). Die Menschen wollen wieder mehr unabhängig sein und Misstrauen grossen, unübersichtlichen Bünden oder Einheiten. Unser System mit Föderalismus und direkter Demokratie hilft, dass die Menschen sich ernster genommen fühlen und mehr Vertrauen in den Staat haben.

Mitbestimmung

Denn wie bereits Friedrich Schiller schrieb „Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.“ Damit ist die direkte Demokratie gemeint und die Mitbestimmung des Volkes. Dass wir jedes Jahr mehrmals Abstimmen, ist zum einen Privileg, aber auch ein Erfolgsfaktor. Dank der Mitbestimmung des Volkes werden die Politiker „nicht übermütig“, denn sie wissen, dass ihr Entscheid einer Volksabstimmung Stand halten muss. Mit dem Initiativrecht können Bürgerinnen und Bürger zudem eigene Ideen zur Abstimmung bringen.

Ich bedaure sehr, dass über die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger meistens ihr Recht, mitzubestimmen, nicht wahrnehmen und den Urnen fernbleiben. Wir alle sollten Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn mehr motivieren, abstimmen und wählen zu gehen – nur so können wir unser System der direkten Demokratie aufrechterhalten und Entscheide breit abstimmen.

Lieber Ebnat-Kapplerinnen, liebe Ebnat-Kappler

Ich bin dankbar, in der Schweiz geboren worden zu sein und hier, in diesem schönen Dorf Ebnat-Kappel zu leben. Ich sehe dies als ein Privileg und auch als eine Aufgabe, diesem Land Sorge zu tragen, die Stärken zu bewahren und die Freiheit zu verteidigen. Halten wir daher diese drei Erfolgsfaktoren hoch – sie haben uns die letzten 725 Jahren durch schwere Zeiten geführt und heute Wohlstand, Sicherheit, Stabilität und Frieden gebracht.

„Fragt nicht, was euer Land für euch tun wird, sondern fragt, was wir zusammen für die Freiheit der Menschen tun können.“ Dies hat John F. Kennedy nach seinem berühmten Satz in seiner Antrittsrede als Präsident 1961 gesagt und wir sollten ihn uns in dieser Zeit zu Herzen nehmen. Ich bin überzeugt, dass die rosige Zukunft unseres Landes vor allem in der Freiheit liegt. Setzen wir uns dafür ein, dass die Freiheit hochgehalten wird und unsere Nachfahren auch in 725 Jahren den Geburtstag der Schweiz feiern können.

In dem Sinne wünsche ich uns allen einen schönen 1. August!

Ich danke Ihnen.

 

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